Fliesen streichen » Vorgehensweise und hilfreiche Tipps
Wer die alten Fliesen nicht mehr sehen kann, da sie vielleicht schon vor 20 oder 30 Jahren angebracht wurden, hat verschiedene Möglichkeiten, die Wände und den Fußboden neu zu gestalten. Anstatt die Fliesen in Bad oder Küche herauszustemmen beziehungsweise eine neue zweite Schicht Kacheln zu verlegen, besteht auch die Möglichkeit, Fliesen zu überstreichen. Beim Streichen von Fliesen gilt es aber, auf einige Aspekte zu achten, die wir hier näher erläutern.
Fliesen dich gestrichen werden sollen dürfen keinesfalls locker sitzen. Ist dies der Fall, so empfiehlt es sich, diesen Bereich mit einem neuen Untergrund zu versehen und die Fliese dann wieder einzupassen. Ist ein größeres Areal betroffen, sollten sämtliche Fliesen vor dem Streichen entfernt und neu verlegt werden. Zugleich sollten in den Fliesen auch keine Risse vorhanden sein, denn diese würden im Laufe der Zeit auch nach erfolgtem Überstreichen wieder auffallen. Tests haben außerdem gezeigt, dass das Streichen von Fliesen mit Rissen unsaubere Ergebnisse liefert. Die Risse in den Fliesen sind also auch nach dem Streichen in fast allen Fällen noch sichtbar.
Profi-Ratgeber-Tipp 1: Überstreichen Sie keine Fliesen die schon halb von der Wand abfallen.
Profi-Ratgeber-Tipp 2: Fliesen mit Rissen sollten erst erneuert und dann gestrichen werden. ( ᐅ Anleitung zum entfernen von Fliesen unter dem Punkt einzelne Fliesen entfernen)
Das sollten Sie vor Beginn der Arbeiten wissen
Sind die Fliesen in einem dunklen Farbton – beispielsweise dem in den 70er Jahren oft verwendeten dunklen Grünton - gehalten, müssen sie mindestens zweimal überstrichen werden. Unter Umständen ist auch ein dreimaliger Anstrich notwendig. Rechnen Sie pro Quadratmeter und pro Anstrich mit einem Verbrauch von etwa 55 ml Farbe, Endlack benötigen Sie etwa 50 ml pro Quadratmeter. Eine 375 ml Dose reicht somit für ungefähr 7,5 Quadratmeter Fläche. Ist die Farb- bzw. Lackdose einmal geöffnet, sollte sie zügig verbraucht werden. Am Besten tragen Sie den Fliesenlack wandweise auf oder verwenden eine Fuge als Trennlinie. Dadurch sind die Ansätze später weniger sichtbar.
Profi-Ratgeber-Tipp 3: Streichen Sie dunkle Fliesen lieber einmal mehr!
Um die Werkzeuge später säubern zu können, sollten Sie Lösungsmittel, beispielsweise sogenannte Werkzeugreiniger, verwenden. Auf keinen Fall sollten Sie auf Verdünnung zurückgreifen.
Was beim Streichen von Fliesen auch beachtet werden muss: besonders in Bädern muss darauf geachtet werden, dass die Sanitärfugen intakt sind und auch durch den Anstrich nicht beschädigt werden. Bei Bedarf sind die Sanitärfugen sofort neu mit Silikon zu verfugen, damit kein Wasser eindringen kann. ( ᐅ Anleitung Silikonfugen erneuern)
Sowohl bei den vorbereitenden Arbeiten als auch beim Auftragen der Farbe sollten Handschuhe getragen werden, die lösungsmittelunempfindlich sind. Zugleich ist während der Arbeiten auf eine gute Belüftung des Raumes zu achten.
Alle vorhandenen Armaturen und Lichtschalter, aber auch Haltegriffe etc. müssen vor Beginn mit dem Streichen mit Klebeband oder Folie abgeklebt werden, um so unschöne Flecken zu verhindern, die sich nur schwer wieder entfernen lassen. Sämtliche Bad- oder Küchenmöbel sollten Sie - sofern möglich - aus dem Raum entfernen oder aber zumindest mit Folie abdecken. Mit einer Folie müssen auch die Bade- und die Duschwanne sowie für das Waschbecken abgedeckt werden, auch wenn diese später im gleichen Farbton gestrichen werden sollen.
Das benötigen Sie zum Streichen der Wand- und Bodenfliesen
Für die vorbereitenden Arbeiten benötigen Sie
- Einen fusselfreien Lappen,
- Eine Farbwanne aus Kunststoff,
- Eine Schaumstoffrolle,
- Grundreiniger,
- Haftgrund,
- Schleifpapier oder Sandpapier,
- Fliesenlack
- Transparent-Endlack.
Die Fliesenbeschichtung beziehungsweise Fliesenfarbe wird - je nach Hersteller - in verschiedenen Farbtönen angeboten, die auch miteinander vermischt werden können.
Das Streichen beginnt - So gehen Sie am besten vor
(1) Fliesen reinigen: Zuerst einmal reinigen Sie die Fliesen, indem Sie den Grundreiniger aufsprühen und mit dem fusselfreien sauberen Lappen kräftig abreiben. Danach rauen Sie die Fliesen mit Sandpapier oder Schleifpapier etwas auf und saugen den entstehenden Staub auf. Bereits beim Einsatz des Schleifpapieres sollten Sie Handschuhe tragen, um so die Gefahr einer möglichen Verletzung zu verringern.
(2) Haftgrund auftragen: Tragen Sie nun mit dem sauberen Lappen den Haftgrund auf die Fliesen auf. Haftgrund auf den Fliesen hilft später dabei, dass die Farbe auf den Fliesen besser haftet. Der Haftgrund wird kreisförmig, dünn und vor allem auch gleichmäßig aufgebracht.
(3) Fliesen mit Farbe streichen: Ist dies erledigt, nehmen Sie die Schaumstoffrolle zur Hand und tragen die Fliesenbeschichtung auf. Warten Sie dann vier bis sechs Stunden, bevor Sie die Fliesen ein zweites Mal überstreichen. Nach einer nochmaligen Wartezeit von etwa sechs Stunden können Sie den transparenten Fliesenendlack aufbringen. Auch hierzu verwenden Sie am besten eine kleine Schaumstoffrolle. Haben Sie die für das Auftragen der Farbe genutzte Rolle gründlich gereinigt, können Sie sie selbstverständlich auch für das Streichen des Endlackes nutzen. Diesen gibt es im Übrigen in seidenmatter und glänzender Ausführung.
Wartezeiten und Ergebnisse
Bereits nach einem Tag können Sie Ihr Bad wieder nutzen, vollständig ausgehärtet ist der neue Farbanstrich nach sieben Tagen. Möchten Sie anstelle der Wandfliesen die Bodenfliesen mit einem neuen Anstrich versehen, so sollten Sie mit der Benutzung des Bades mindestens einen zweiten Tag abwarten oder aber den Bodenbereich in zwei Teile einteilen und erst nach vollständiger Aushärtung des ersten Teils mit dem Anstrich der anderen Fliesen beginnen.
Wissenswertes
Nicht nur Fliesen, sondern auch Sanitärobjekte lassen sich mit einer neuen Farbbeschichtung versehen und erhalten so ein wesentlich moderneres Erscheinungsbild. Kommt es später an den Fliesen zu Verschmutzungen, so lassen sich diese mit einem herkömmlichen Haushaltsreinigungsmittel reinigen.