Boot lackieren
Boot lackieren in Bezug auf GFK
Lagern Sie Ihr Boot im Frühjahr aus, tritt häufig der Fall auf, dass eine neue Lackierung ansteht. Wir möchten uns daher in diesem Artikel der Lackierung Ihres Bootes widmen und dabei vor allem auf die Besonderheiten von Glasfaserkunststoff (GFK) eingehen, der bei der Konstruktion von Kunststoffbooten sowohl beim Schiffsrumpf, als auch beim Deckaufbau verwendet wird.
Gut zu wissen: Der Kunststoffkörper Ihres Bootes ist in der Regel mit einer Schicht Gelcoat umhüllt und bildet zusammen mit dem GFK eine homogene Struktur. Daher spricht man bei der Lackierung eines GFK-Bootes auch von der Lackierung der Gelcoat-Schicht. Durch das Anschleifen des GFK oder des Gelcoats entsteht ein haftfähiger Untergrund, so dass die Lackierung im Anschluss stattfinden kann.
Gehen Sie die Sache komplett an
Möchten Sie nur kleinere Ausbesserungsarbeiten vornehmen, können Sie die betroffenen Stellen am Rumpf oder auf dem Deck entsprechend reinigen, leicht anschleifen und natürlich anschließend nur diese Stellen lackieren. Das ist möglich, doch Sie müssen immer vorsichtig sein, wenn Sie Haarrisse oder Beulen entdecken, die durch die Osmose von GFK entstanden sind. Eine komplette Restauration ist dann eigentlich unausweichlich. Sowohl aus optischen, als auch aus funktionalen Gründen, raten wir Ihnen aber sowieso immer zu einer kompletten und frischen Lackierung. Sie fördern damit die Widerstandsfähigkeit, Härte und auch die Gleiteigenschaft des Bootsrumpfes, wenn dieser betroffen ist.
Vorsicht bei Mikroporösität und GFK-Beschädigungen
Große verwitterte Stellen am Boot sind sofort ersichtlich und Sie benötigen in der Regel kein geschultes Auge, um diese Stellen zu erkennen. Doch es gibt auch noch die so genannte Mikroporösität. Damit sind Löcher gemeint, die sogar kleiner sein können als ein Stecknadelkopf. Das Problem dabei ist, dass wenn mikroporöse Oberflächen lackiert werden, kommt es zur Bildung von Bläschen in der Lackschicht. Das ist nicht nur unschön, sondern würde Ihre Arbeit letztendlich zunichte machen. Es empfiehlt sich in einem solchen Fall die Vorbehandlung mit Primer. Dadurch werden die Löcher gefüllt und die Lackierung trifft auf eine gute Basis. Größe Löcher und Risse müssen mit einem GFK Reparaturset behandelt werden.
Gut zu wissen: Wenn Sie feststellen möchten, ob Ihr Boot eine mikroporöse Oberfläche aufweist, können Sie das mit einem Filzstift testen. Machen Sie dazu eine Reihe von Strichen mit dem Filzstift. Anschließend nehmen Sie sich ein Reinigungstuch und wischen über die Striche. Bleiben Punkte sichtbar, die Sie nicht weggewischt bekommen, können Sie davon ausgehen, dass die Oberfläche mikroporös ist.
Auswahl des richtigen Bootslack für Boote
Bootslack ist nicht gleich Bootslack! Nachfolgend finden Sie die unterschiedlichen Lacksorten im Überblick, so dass Sie eine gute Entscheidung treffen können.
- Alkydharze: Leicht zu verarbeiten, hoher Glanzgrad in den ersten Jahren und sehr starke Dehnungsfähigkeit. Kein Anmischen erforderlich. Alkydharze sind aber nur bedingt kratzfest und empfindlich gegen chemische Belastungen.
- Epoxidharze: Sehr empfindlich bei der Verarbeitung und die UV-Beständigkeit hält sich in Grenzen. Doch Epoxidharze sind mechanisch und chemisch sehr belastbar und liefern zudem einen guten Korrosionsschutz. Weiterhin sind Epoxidharze isolierfähig und halten Wasserdampf ab.
- Polyurethanharze: Sehr gute UV-Beständigkeit und Chemikalien und Hitze sind nahezu chancenlos. Polyurethanharze sind allerdings Zweikomponentenlacke und daher wenig flexibel. Bei der Verarbeitung muss man zudem sehr vorsichtig sein in Bezug auf Feuchtigkeit.
GFK Boot richtig lackieren
Sie wissen bisher worauf Sie achten müssen, bevor es mit den Lackier-Arbeiten Ihres GFK Bootes losgeht. Außerdem haben Sie die unterschiedlichen Lacksorten kennengelernt und können diese auf Ihre individuellen Bedürfnisse abstimmen. Gehen wir nun an die eigentlichen Lackierarbeiten:
Schritt 1: Schleifen
Wie bereits angesprochen, ist es zwingend erforderlich den Untergrund zunächst anzuschleifen, um einen guten Haftgrund zu schaffen auf dem der Lack auch Halt findet. Schleifen Sie dazu mit Körnungen von P60 bis P100 in gleichmäßigen Arbeitsschritten.
Schritt 2: Lack anmischen
Je nachdem für welchen Lack sie sich entschieden haben, müssen Sie diesen zunächst anmischen. Wichtig beim Anmischen sind einerseits die Herstellerangaben in Bezug auf das Mischungsverhältnis und die Topfzeit.
Wichtig: Besteht die Vorlackierung aus einem Zweikomponentenlack, muss jetzt ebenfalls ein Zweikomponentenprodukt verwendet werden.
Schritt 3: Lackieren
Bei den eigentlichen Lackier-Arbeiten ist zu beachten, dass sie immer von oben nach unten und von links nach rechts lackieren. Beachten Sie dabei auch den Plankenverlauf. Eine einzige Lackschicht sollte im optimalen Fall einen Millimeter auftragen. Drei bis Fünf Lackschichten sollten Sie anvisieren.
Nichts hält ewig
Wie lange die neue Lackierung hält und ihren Zweck erfüllt, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Wichtig sind hier, wie so oft, die Vorbereitungen. Damit steht und fällt das Projekt GFK Boot lackieren. Nur wenn die Lackierung auf eine entsprechend gut vorbereitete Basis trifft, kann die Lackierung lange halten. Doch auch dann müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass nichts für die Ewigkeit hält, vor allem wenn Ihr Boot regelmäßig härtesten Bedingungen ausgesetzt ist. Wenn Sie unsere Empfehlungen jedoch beachten, wird Ihr Boot optimal vorbereitet sein.
Viel Erfolg!